Projektträger des BMBF und BMWA für Wassertechnologie und Entsorgung (PtWT+E)


Nationale Kontaktstelle für das EURATOM-Programm im Bereich

"Entsorgung von radioaktiven Abfällen"



EURATOM-PROGRAMM (2002-2006)
6. EU-Forschungsrahmenprogramm








Der Projektträger PtWT+E, Projektbereich Entsorgung, ist im "6. Forschungsrahmenprogramm der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom) im Bereich Forschung und Ausbildung"  die nationale Kontaktstelle für den Bereich "Behandlung Radioaktiver Abfälle". Die Kontaktstelle informiert und berät Interessenten, die sich an den Ausschreibungen der EU im vorrangigen Themenbereich beteiligen möchten. Ansprechpartner dafür ist:

Forschungszentrum Karlsruhe GmbH
Projektträger des BMBF und BMWA für
Wassertechnologie und Entsorgung
Projektbereich Entsorgung
Dr. Walter Steininger
Postfach 36 40
76021 Karlsruhe

Telefon: (07247) 82 - 5788
Telefax: (07247) 82 - 5796
E-mail: walter.steininger@ptwte.fzk.de


Ziele des Programms
Sichere, zukunftsfähige und wettbewerbsfähige Energiequellen haben insbesondere in den stark industrialisierten Ländern der europäischen Gemeinschaft eine zentrale Bedeutung für Wirtschaftswachstum, Wohlstand und Lebensqualität. Derzeit werden 35 % des Elektrizitätsbedarfs in der Europäischen Union durch Kernenergie gedeckt. Diese Energiequelle hat insbesondere auch im Hinblick auf die Vermeidung von CO2-Emissionen und die Versorgungssicherheit Europas im Energiebereich einen hohen Stellenwert. Der sichere Betrieb von Nuklearanlagen vor dem Hintergrund verlängerter Betriebszeiten, die Entsorgung radioaktiver Abfälle sowie der Schutz vor ionisierenden Strahlen, denen die Bevölkerung ausgesetzt werden könnte, sind grundlegende Aspekte des Programms EURATOM im 6. Rahmenprogramm. Hier gilt es, in Zukunft in gemeinsamer europäischer Anstrengung durch geeignete Forschungsprojekte den Wissensstand fortzuentwickeln und die Sicherheitstechniken in Europa zu harmonisieren.
           Zu den vorrangigen Themenbereichen der Forschungsarbeiten gehört die Entsorgung radioaktiver Abfälle. Hier müssen Wege für den Umgang mit diesen gefunden werden, die die Gesellschaft als akzeptabel erachtet. Insbesondere ist die Umsetzung technischer Lösungen für die Entsorgung langlebiger Abfälle von Bedeutung. Wichtig ist es, die hohen Standards des Strahlenschutzes in der Gemeinschaft durch gezielte und koordinierte Forschungsarbeiten zu halten und fortzuentwickeln; dies gilt auch für die Untersuchung der mit niedrigen Expositionswerten verbundenen Risiken. Neben sicherheitsgerichteten Untersuchungen zum Betrieb laufender Nuklearanlagen soll auch das Potential neuer Konzepte für eine sichere Nutzung der Kernspaltung ausgelotet werden.

Zur Vorgeschichte
Der Bedeutung der Sicherheit bei der friedlichen Nutzung der Kernenergie in Europa wurde schon frühzeitig Rechnung getragen. Grundlage für die Tätigkeit der Kommission auf dem Gebiet des Strahlenschutzes und der Reaktorsicherheit ist der Euratom-Vertrag, der am 25. März 1957 von den damaligen europäischen Mitgliedsstaaten unterzeichnet wurde. Die Befugnisse der EU erstrecken sich nach diesem Vertrag vor allem auf:

Eine Übersicht über die Mittelentwicklung der von der EU geförderten Forschungsarbeiten in den bisherigen Rahmenprogrammen gibt Tabelle 1. Die Arbeiten wurden entweder von den gemeinsamen Forschungsstellen Ispra, Petten, Karlsruhe (in direkter Förderung durch die Kommission) oder im Rahmen von europaweiten Ausschreibungen (indirekte Förderung der Kommission auf Kostenteilungsbasis) durch europäische Institutionen durchgeführt. Ab dem 5. Rahmenprogramm konnten sich Institutionen aus den zukünftigen Beitrittsländern an den Ausschreibungen beteiligen.

Tab. 1    Mittelausstattung der EU-Rahmenprogramme zur nuklearen Sicherheit
 
2. RP
1987-1991
3. RP
1990-1994
4. RP
1994-1998
5. RP
1998-2002
I. Gemeinsame Forschungsstellen der Kommission 
(direkte Förderung)
310
(MECU)
162
(MECU)
254
(MECU)
281
(MECU)
II. EU-Kommission, Brüssel
(Ausschreibungen, indirekte Förderung, Kosten- beteiligungsbasis; EU-Verwaltungskosten)
130
(MECU)
71
(MECU)
160
(MECU)
191
(MECU)
Gesamt 440
(MECU)
223
(MECU)
414
(MECU)
472
(MECU)

Mit Stichtag 31.12.2001 waren im 5. Rahmenprogramm insgesamt 502 Anträge eingereicht, von denen 248 von der Kommission gefördert wurden. Deutsche Forschungseinrichtungen waren an 172 geförderten Projekten mit einem Anteil von etwa 21 % an den insgesamt vergebenen Mitteln beteiligt.

Inhalte von EURATOM (Kernspaltung) im 6. Rahmenprogramm
Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten stehen Untersuchungen in den vorrangigen Themenbereichen

Im Bereich "Weitere Tätigkeiten auf dem Gebiet der nuklearen Technologien und Sicherheit" sind weitere Untersuchungen zur Sicherheit bestehender kerntechnischer Anlagen, zur Bewertung des Potentials innovativer Konzepte für die Kernenergie sowie die Förderung der Aus- und Weiterbildung im Bereich nukleare Sicherheit und Strahlenschutz vorgesehen. Die geplante Mittelaufteilung ist Tabelle 2 zu entnehmen.

I. Vorrangige Themenbereiche der Forschung

1. Behandlung und Entsorgung radioaktiver Abfälle
Ziel ist es, die wissenschaftliche und technische Grundlage für den Nachweis der sicheren Entsorgung abgebrannter Brennstoffe und langlebiger radioaktiver Abfälle in geologischen Formationen abzusichern und die Entwicklung einer gemeinsamen europäischen Sichtweise für die wichtigsten Fragen der Abfallvermeidung und Abfallbeseitigung zu unterstützen.

1.1 Forschungsarbeiten zur Entsorgung in geologischen Formationen
Im Vordergrund stehen die wirksamen physikalischen, chemischen und biologischen Prozesse, die Wechselbeziehungen zwischen den verschiedenen natürlichen und technischen Barrieren, deren langfristige Stabilität sowie Mittel zum Einsatz von Entsorgungstechnologien in unterirdischen Forschungslaboratorien. Für die Eignung und Sicherheitsbewertung sowie für die Methoden zum Nachweis der langfristigen Sicherheit sind geeignete Modelle zu entwickeln sowie Sensitivitäts- und Unwägbarkeitsanalysen durchzuführen. Alternative Maßstäbe zur Einungsbewertung sowie bessere administrative Prozesse, die den Bedenken der Öffentlichkeit gegenüber der Abfallentsorgung angemessen Rechnung tragen, sind zu entwickeln.

1.2 Trennung und Transmutation und andere Konzepte zur Abfallvermeidung in der Kernenergienutzung
Trennung und Transmutation haben zum Ziel, praktische Wege für die Verringerung der Menge und/oder der Gefahren der zu entsorgenden Abfälle zu finden. Im Mittelpunkt steht die grundlegende Bewertung des generellen Konzepts, die Demonstration der aussichtsreichsten Trennungstechnologien im Maßstab eines Pilotprojekts sowie die Weiterentwicklung und Bewertung ihrer praktischen Anwendbarkeit in der Industrie. Die Erforschung von Konzepten zur Abfallvermeidung dient der Ermittlung ihres Potentials für eine effizientere Nutzung des Spaltmaterials in bestehenden Reaktoren. Darüber hinaus sollen auch andere Konzepte zur Abfallvermeidung bei der Kernenergienutzung untersucht werden.

2. Strahlenschutz
Die Sicherheitsstandards bei der Nutzung von ionisierenden Strahlen und radioaktiven Stoffen in Medizin und Industrie besitzen in Europa ein hohes Niveau, das zum Schutz der Bevölkerung und der Beschäftigten erhalten und in einigen Bereichen verbessert werden muss. Insbesondere sind die Kenntnisse zur Quantifizierung der Risiken niedriger Dosen, zu Fragen der Sicherheit bei medizinischen Anwendungen sowie zu Aspekten des Umweltschutzes und des Notfallmanagements durch gezielte Forschungsarbeiten zu erweitern.

2.1 Quantifizierung der Risiken niedriger und über einen längeren Zeitraum wirkender Strahlendosen.
Die Forschung wird sich auf epidemiologische Studien von belasteten Bevölkerungsgruppen konzentrieren. Die Untersuchungen werden ergänzt durch zellular- und molekularbiologische Forschung zur Wechselwirkung zwischen ionisierender Strahlung und DNS, Zellen, Organen und Körper.

2.2 Strahlenbelastung in der Medizin und natürliche Strahlenquellen
Die Forschungsarbeiten dienen der Steigerung der Sicherheit und Wirksamkeit medizinischer Anwendungen von ionisierenden Strahlen und radioaktiven Stoffen. Die Bewertung natürlicher Strahlenquellen soll verbessert werden.

2.3 Umweltschutz und Radioökologie
Im Mittelpunkt steht die Verbesserung der Einschätzung und Bewertung der Auswirkungen natürlicher und künstlicher Strahlenquellen auf Mensch und Umwelt. Konzeptionelle und methodische Grundlagen des Umweltschutzes sind zu entwickeln.

2.4 Risiko- und Notfallmanagement
Die Konzepte für den Umgang mit Risiken sind zu verbessern und ein wirksameres und kohärenteres Notfallmanagement in Europa ist zu entwickeln. Ebenfalls von Bedeutung sind Konzepte zur Sanierung kontaminierter Gebiete.

2.5 Schutz am Arbeitsplatz
Die Methoden der Überwachung und Minimierung der Strahlenbelastung am Arbeitsplatz sind weiterzuentwickeln.
 

II. Weitere Tätigkeiten auf dem Gebiet der nuklearen Technologien und Sicherheit

1. Sicherheit bestehender kerntechnischer Anlagen
Ziel ist die weitere Verbesserung der Sicherheit bestehender kerntechnischer Anlagen in den Mitgliedsstaaten und Beitrittsländern während des Betriebes sowie bei der anschließenden Stilllegung. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten stehen Untersuchungen zum Anlagenmanagement einschließlich der Auswirkungen von Alterungsvorgängen und erhöhter Brennstoffausnutzung. Die Entwicklung fortgeschrittener Codes zur numerischen Simulation von Störfallabläufen sowie Fragen der Verhinderung oder Beherrschung schwerer Störfälle sind ein weiterer Schwerpunkt. Die spezifischen Sicherheitsaspekte von Reaktoren russischer Bauart sind zu untersuchen. Europäische Kenntnisse und praktische Erfahrungen bei der Stilllegung sollen zusammengeführt werden. Harmonisierte Sicherheitskonzepte und Ansätze für die betriebliche und regulatorische Praxis auf europäischer Ebene sind weiter zu entwickeln.

2. Innovative Konzepte
Ziel der Forschungsarbeiten ist die Bewertung innovativer Konzepte für die Kernenergie mit besseren und sichereren Verfahren. Sicherheit, Umweltauswirkungen, Ressourcennutzung, Proliferationshemmung, Kosten, oder Anwendungsvielfalt sind wesentliche Kriterien.

3. Aus- und Weiterbildung
Ziel ist es, die europäische Kompetenz im Bereich nukleare Sicherheit und Strahlenschutz zu erhalten. Aus- und Weiterbildung sind auf europäischer Ebene stärker zusammenzuführen, um den Rückgang der Studentenzahlen und der Lehranstalten zu kompensieren. Dadurch werden das Fachwissen und der Sachverstand sichergestellt, die für die weiterhin verantwortbare Nutzung der Kernenergie und die Anwendung von ionisierender Strahlung in Industrie und Medizin unverzichtbar sind. Hierzu soll insbesondere ein stärker harmonisiertes europäisches Konzept für die Ausbildung in Nuklearwissenschaften und Nukleartechnologien entwickelt werden. Ergänzt wird dies durch die Unterstützung für Stipendien, spezielle Lehrgänge, Ausbildungsnetze, Stipendien für Nachwuchsforscher aus den NUS und MOEL sowie grenzüberschreitenden Infrastrukturzugang.
 
 
 
 
Thematik Betrag (Mio.Euro) 
1. Vorrangige Themenbereiche der Forschung
  • Behandlung und Entsorgung radioaktiver Abfälle 
  • Strahlenschutz 
90
50
2. Weitere Tätigkeiten auf dem Gebiet der nuklearen Technologien und Sicherheit 
  • Sicherheit bestehender kerntechnischer Anlagen
  • Innovative Konzepte 
  • Aus- und Weiterbildung 

50
Gesamt 190

In der Thematik 1 "Vorrangige Themenbereiche der Forschung" werden vorzugsweise die neuen Förderinstrumente (Integrierte Projekte, Exzellenznetzwerke) angewandt. Für die Thematik 2 "Weitere Tätigkeiten auf dem Gebiet der nuklearen Technologien und Sicherheit" bleiben die Förderinstrumente des 5. RP (Projekte auf Kostenteilungsbasis, konzertierte Aktionen) weitgehend gültig. Die neuen Instrumente kommen hier nur in besonders geeigneten Fällen zum Tragen.

Aktuelle Informationen und weitere Links sind auf den Homepages der unten genannten Kontaktstellen zu finden.



Information und Beratung
Allgemeine Informationen und Beratung zum 6. Euratom Rahmenprogramm erhalten Sie für Fachthemen aus den Bereichen:

Sicherheit bestehender kerntechnischer Anlagen und Innovative Konzepte:
Dipl.-Ing. Jochen Süssenberger
Projektträger des BMWA für Reaktorsicherheitsforschung
Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) mbH
Schwertnergasse 1, 50667 Köln
Tel: 0221/2068-624 (-629 Fax)
e-Mail: sus@grs.de

Behandlung und Entsorgung nuklearer Abfälle:
Dr. Walter Steininger
Projektträger des BMBF und BMWA für Wassertechnologie und Entsorgung (PtWT+E)
Projektbereich Entsorgung
Forschungszentrum Karlsruhe GmbH
Postfach 36 40
76021 Karlsruhe
Tel: 07247/82-5788 (-5796 Fax)
e-Mail: walter.steininger@ptwte.fzk.de

Strahlenschutz
Frau A. Schmitt-Hannig
Bundesamt für Strahlenschutz
Ingolstaedter Landstr. 1
85764 Oberschleissheim
Tel: 01888-333-2110 (-2115 Fax)
e-Mail: schmitt@bfs.de



Aktuelle Informationen
 
Ein Leitfaden für Einreicher, Anschriften von Helpdesks und Infodesks sowie weitere für die Aufforderung zur Interessenbekundung maßgeblichen Informationen sind unter folgender Internet-Adresse zu finden: 
http://www.cordis.lu/fp6/eoi-instruments/
EU FP6 EoI Erläuterungen
EU FP6 New Instruments Erläuterungen
Priority thematic areas of research
Information on NoE and IP
eoi_form
Invitation to submit Eol
Gemeinsamer Standpunkt des Rates im Hinblick auf den Erlass des Beschlusses des Europäischen Parlaments und des Rates über das 6. RP im Bereich der Forschung, technologischen Entwicklung und Demonstration
unter:  ftp://ftp.cordis.lu/pub/rtd2002/docs/fp6_comcouncil_de0102.pdf
Geänderter Vorschlag für eine Entscheidung des Rates über die spezifischen Programme zur Durchführung des 6. RP im Bereich der Forschung, Entwicklung und  Demonstration
unter: ftp://ftp.cordis.lu/pub/rtd2002/docs/fp6sp_amended_0102.pdf
Beteiligungsmöglichkeiten von Ländern außerhalb der EU
DLR- Informationsservice Beitrittsländer
KOWI: Aktuelle EU-Informationen, Antragstellung


Termine / Zeitplan
Gegenwärtig ist der folgende Zeitplan abzusehen:
 
"Launch conference" in Brüssel 11.-13. November 2002
Call for proposals Dezember 2002
Deadline for submitting proposals 08. Mai 2003
Bewertung ("assessment") der New Instruments 2005



Stand 12.09.2003 / K. Geyer